Ratgeber · Haare & Kopfhaut

Koffein für die Haare: Was die Studien zeigen

Koffein steckt in Shampoos, Tonika und Ölen. Es ist einer von wenigen Stoffen aus der Kosmetik, zu denen es Zahlen von Menschen gibt. Hier steht, welche das sind und wo die Grenze liegt.

von Growly RatgeberStand: 11.10.2026ca. 8 Min. Lesezeit

Espressotasse neben einer braunen Glasflasche mit Pipette auf einer Edelstahlfläche
Koffein wirkt auf der Kopfhaut anders als im Becher. Das ist der ganze Kern des Themas.Symbolbild, mit KI erstellt

Die Idee hinter Koffein im Haarprodukt ist schnell erzählt: In Zellversuchen bremst das Hormon Testosteron das Wachstum der Haarwurzel. Koffein hebt diese Bremse auf. Der Weg von dieser Beobachtung bis zu mehr Haaren auf dem Kopf ist allerdings länger, als die Werbung vermuten lässt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Labor hebt Koffein die Bremswirkung von Testosteron auf die Haarwurzel auf.
  • Zwei Minuten auf der Kopfhaut reichen, damit es über die Haarwurzeln aufgenommen wird.
  • In einer Studie mit 210 Männern war eine Koffein-Lösung nicht schlechter als Minoxidil in der 5-prozentigen Stärke.
  • In dieser Studie fehlte eine Gruppe ohne Wirkstoff. Deshalb bleibt ein Rest Unsicherheit.
  • Kaffee trinken hilft nicht. Alle Studien am Menschen wurden mit Koffein auf der Kopfhaut gemacht.

Was Koffein an der Haarwurzel macht

Beim erblich bedingten Haarausfall reagieren die Haarwurzeln empfindlich auf ein Abbauprodukt von Testosteron. Die Wurzeln werden über die Jahre kleiner und bilden immer feinere Haare.

Koffein greift an einer anderen Stelle an. Es hemmt ein Enzym in der Zelle und lässt dadurch mehr von einem Botenstoff übrig, der die Zellteilung antreibt. In der Nährlösung führt das dazu, dass die Haarwurzel weiterarbeitet, obwohl Testosteron da ist.

Das ist eine saubere Erklärung. Sie beantwortet aber noch nicht die Frage, ob davon auf einem echten Kopf etwas ankommt.

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Was im Labor passiert

Haarwurzeln in der Nährlösung (2007)

  • Wer: Haarwurzeln aus 14 Gewebeproben vom Wirbel von Männern mit erblich bedingtem Haarausfall. Sie wuchsen fünf bis acht Tage in Nährlösung.
  • Ergebnis: Testosteron bremste das Wachstum deutlich. Koffein in den Mengen 0,001 % und 0,005 % hob diese Bremse auf. Koffein allein ließ die Haare sogar stärker wachsen als ohne alles.
  • Aber: Das war im Labor, nicht auf einem Kopf. Eine Haarwurzel in der Schale hat keine Durchblutung und keine Hormone aus dem Körper.

Eine zweite Arbeit von 2014 hat das erweitert. Dort wurden Haarwurzeln von Männern und von Frauen verglichen. Koffein verlängerte die Wachstumsphase und regte die Zellteilung in der Haarwurzel an. Die Wurzeln von Frauen reagierten dabei empfindlicher als die von Männern.

Kommt es überhaupt an?

Das ist die entscheidende Zwischenfrage. Ein Stoff kann im Labor noch so gut wirken: Wenn er nicht bis zur Wurzel kommt, passiert nichts.

Zwei Minuten auf der Kopfhaut (2007)

  • Wer: Freiwillige, denen eine Shampoo-Zubereitung mit Koffein für zwei Minuten auf die Kopfhaut gegeben wurde.
  • Ergebnis: Koffein war danach im Blut nachweisbar. Der Weg über die Haarwurzeln war schneller und ergiebiger als der Weg durch die Haut dazwischen. In den ersten 20 Minuten war er sogar der einzige schnelle Weg.
  • Aber: Das zeigt nur, dass der Stoff ankommt. Über Haarwuchs sagt diese Messung nichts.

Praktisch heißt das zweierlei. Erstens: Auch ein Shampoo kann etwas transportieren, wenn es zwei Minuten bleibt. Zweitens: Die Haarwurzeln sind die Abkürzung. Deshalb gehört alles auf die Kopfhaut und nicht in die Längen.

Die wichtigste Studie am Menschen

Koffein-Lösung gegen Minoxidil (2017)

  • Wer: 210 Männer mit erblich bedingtem Haarausfall, sechs Monate, mehrere Zentren. Eine Koffein-Lösung mit 0,2 % gegen eine Minoxidil-Lösung mit 5 %.
  • Ergebnis: Die Koffein-Lösung war nicht schlechter als Minoxidil. Das war auch das Ziel der Studie.
  • Aber: Beide Gruppen bekamen einen Wirkstoff. Eine Gruppe ohne Wirkstoff fehlte. Außerdem wussten alle Beteiligten, wer was bekam.

Wie du das einordnen kannst: Das Ergebnis ist stärker als alles, was es zu den meisten anderen Pflegestoffen gibt. Es ist schwächer als eine Studie mit einer echten Vergleichsgruppe. Beides gilt gleichzeitig.

Koffein im Shampoo

Koffein-Shampoo bei Frauen (2020)

  • Wer: Frauen mit erblich bedingtem Haarausfall, doppelblind, sechs Monate.
  • Ergebnis: Beim Zugtest gingen am Ende im Schnitt 3,1 Haare weniger aus als zu Beginn. In der Vergleichsgruppe waren es 0,5 Haare.
  • Aber: Die Gruppen waren klein, und der Zugtest ist ein grobes Maß. Zur Haardichte macht die Arbeit keine starke Aussage.

Ein Shampoo hat einen Nachteil und einen Vorteil. Der Nachteil: Es wird ausgespült. Der Vorteil: Fast alle waschen sich sowieso die Haare, und zwei Minuten Einwirkzeit sind machbar. Als Grundlage ist es sinnvoll. Den größeren Teil der Arbeit macht das, was danach auf der Kopfhaut bleibt.

Warum Kaffee trinken nicht hilft

Alle Studien am Menschen wurden mit Koffein auf der Kopfhaut gemacht. Keine einzige mit Kaffee im Becher.

Beim Trinken verteilt sich Koffein über das Blut im ganzen Körper und wird innerhalb weniger Stunden abgebaut. An der Haarwurzel kommt davon nur ein sehr kleiner Anteil an, und das auch nur kurz. Auf der Kopfhaut dagegen sitzt der Stoff direkt an der Stelle, um die es geht.

Wie viele Tassen nötig wären, lässt sich aus den Studien gar nicht ableiten. Dort hat niemand Kaffee getrunken. Zahlen, die im Netz kursieren, sind Umrechnungen und keine Messungen.

Eine Pipette setzt einen Tropfen direkt auf die Kopfhaut in einem gescheitelten Ansatz
Alles, was wirken soll, gehört auf die Kopfhaut und nicht in die Längen.Symbolbild, mit KI erstellt

Koffein, das über Nacht bleibt

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So wendest du es an

  1. Auf die Kopfhaut. Scheitel, Schläfen, Wirbel. In den Längen hat Koffein nichts zu suchen, denn dort ist das Haar nicht mehr lebendig.
  2. Eine kleine Menge reicht. Bei einer Lösung oder einem Öl etwa eine Pipette, also rund 1 ml. Mehr bringt nicht mehr, es läuft nur herunter.
  3. Kurz einmassieren. Etwa 30 Sekunden mit den Fingerkuppen. Das verteilt es und tut auch sonst gut.
  4. Täglich, am besten abends. Dann hat es die ganze Nacht Zeit, und die Routine hält länger durch.
  5. Beim Shampoo zwei Minuten warten. Genau das war die Zeit, nach der Koffein nachweisbar war.
  6. Sechs Monate einplanen. Vorher war in den Studien noch nichts messbar. Mach am ersten Tag ein Foto.

Was Koffein nicht kann

  • Eine leere Wurzel zurückholen. Was seit Jahren kein Haar mehr bildet, bleibt leer. Koffein arbeitet mit dem, was noch da ist.
  • Ein Arzneimittel ersetzen. Minoxidil und Finasterid haben mehr und bessere Daten. Wer eine Behandlung braucht, bekommt sie in der Arztpraxis.
  • Schneller sein als der Haarzyklus. Ein Haar, das heute in die Ruhephase geht, fällt in drei Monaten aus. Daran ändert kein Stoff etwas.
  • Bei kreisrundem Haarausfall helfen. Dazu gibt es keine Daten. Diese Form gehört in ärztliche Hände.

Vorsicht ist bei gereizter Kopfhaut angebracht. Auf offene oder entzündete Haut gehört nichts davon. Mach vor der ersten Anwendung einen Test an der Armbeuge und warte 24 Stunden. Nicht in die Augen bringen. Für Kinder sind diese Produkte nicht gedacht.

Koffein ist einer der wenigen Pflegestoffe, zu denen es Zahlen von Menschen gibt. Das macht es nicht zum Medikament.

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Häufige Fragen

Hilft Koffein wirklich gegen Haarausfall?

Es gibt eine Studie mit 210 Männern über sechs Monate, in der eine Koffein-Lösung nicht schlechter war als Minoxidil in der 5-prozentigen Stärke. In dieser Studie fehlte allerdings eine Gruppe ohne Wirkstoff. Für einen Pflegestoff ist die Datenlage damit gut, für ein Arzneimittel wäre sie dünn.

Wie viel Koffein sollte in einem Haarprodukt sein?

In der Studie am Menschen wurde eine Lösung mit 0,2 % verwendet. Im Labor lag die Haarwurzel direkt in der Lösung, dort reichten 0,001 bis 0,005 %. Diese Laborwerte lassen sich nicht auf ein Produkt übertragen, das erst durch die Haut muss. Wichtiger als die Zahl ist, dass überhaupt eine auf der Packung steht.

Hilft Kaffee trinken gegen Haarausfall?

Nein. Alle Studien am Menschen wurden mit Koffein auf der Kopfhaut gemacht. Beim Trinken verteilt sich der Stoff im ganzen Körper und wird in wenigen Stunden abgebaut.

Wie lange muss Koffein-Shampoo einwirken?

Zwei Minuten. In einer Messung war Koffein nach dieser Zeit im Blut nachweisbar, und zwar vor allem über die Haarwurzeln aufgenommen.

Wirkt Koffein besser als Rosmarinöl?

Ein direkter Vergleich zwischen beiden fehlt. Zu beiden gibt es je eine Studie über sechs Monate gegen Minoxidil, allerdings gegen unterschiedliche Stärken: Koffein gegen 5 %, Rosmarinöl gegen 2 %. Mehr lässt sich daraus nicht ableiten.

Wann sieht man Ergebnisse?

Nach frühestens sechs Monaten. In den Studien wurde zu diesem Zeitpunkt gemessen. Nach drei Monaten war noch nichts zu sehen. Mach am ersten Tag ein Foto vom Scheitel.

Kann Koffein auf der Kopfhaut schaden?

Bei gesunder Haut ist es gut verträglich. Auf gereizte oder offene Haut gehört nichts davon. Mach vor der ersten Anwendung einen Test an der Armbeuge und warte 24 Stunden.

Hilft Koffein auch Frauen?

Im Labor reagierten die Haarwurzeln von Frauen sogar empfindlicher auf Koffein als die von Männern. Am Menschen gibt es eine Studie zu einem Koffein-Shampoo bei Frauen, in der beim Zugtest weniger Haare ausgingen.

Kann ich Koffein und Minoxidil zusammen anwenden?

Das kommt vor. Sprich es in der Arztpraxis oder Apotheke an, und starte nicht beides gleichzeitig. Sonst weißt du nach sechs Monaten nicht, was gewirkt hat.

Hilft Koffein bei kreisrundem Haarausfall?

Dazu gibt es keine Daten. Die Studien wurden bei erblich bedingtem Haarausfall gemacht. Runde kahle Stellen gehören zeitnah in eine Hautarztpraxis.

Quellen

  1. Fischer T.W., Hipler U.C., Elsner P. (2007): Effect of caffeine and testosterone on the proliferation of human hair follicles in vitro. International Journal of Dermatology 46(1):27–35. PubMed-Nr. 17214716
  2. Fischer T.W., Herczeg-Lisztes E., Funk W. et al. (2014): Differential effects of caffeine on hair shaft elongation, matrix and outer root sheath keratinocyte proliferation, and transforming growth factor-β2/insulin-like growth factor-1-mediated regulation of the hair cycle in male and female human hair follicles in vitro. British Journal of Dermatology 171(5):1031–1043. PubMed-Nr. 24836650
  3. Otberg N., Teichmann A., Rasuljev U. et al. (2007): Follicular penetration of topically applied caffeine via a shampoo formulation. Skin Pharmacology and Physiology 20(4):195–198. PubMed-Nr. 17396054
  4. Dhurat R. et al. (2017): An open-label randomized multicenter study assessing the noninferiority of a caffeine-based topical liquid 0.2% versus minoxidil 5% solution in male androgenetic alopecia. Skin Pharmacology and Physiology 30(6):298–305. PubMed-Nr. 29055953
  5. Bussoletti C., Tolaini M.V., Celleno L. (2020): Efficacy of a cosmetic phyto-caffeine shampoo in female androgenetic alopecia. Giornale Italiano di Dermatologia e Venereologia 155(4):492–499. PubMed-Nr. 29512972
  6. Panahi Y., Taghizadeh M., Marzony E.T., Sahebkar A. (2015): Rosemary oil vs minoxidil 2% for the treatment of androgenetic alopecia: a randomized comparative trial. SKINmed 13(1):15–21. PubMed-Nr. 25842469

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Growly ist ein Kosmetikprodukt zur Pflege von Kopfhaut und Haar. Bei anhaltendem oder plötzlichem Haarverlust wende dich bitte an eine Hautärztin oder einen Hautarzt.