Ratgeber · Haare & Kopfhaut
Rosmarinöl selber machen: Zwei Rezepte und worauf du achten musst
Es gibt zwei Wege zum eigenen Rosmarinöl: verdünnen oder ausziehen. Der erste dauert fünf Minuten, der zweite zwei Wochen. Hier bekommst du beide Rezepte mit genauen Mengen, die Regel für die Haltbarkeit und die Fehler, die du vermeiden solltest.
Selbst gemacht ist Rosmarinöl günstig, und du weißt genau, was drin ist. Wichtig sind dabei zwei Zahlen und eine Regel. Die Zahlen sind die Menge Trägeröl und die Zahl der Tropfen. Die Regel lautet: kein frischer Rosmarin ins Öl. Warum das so ist, steht weiter unten mit Quelle.
Das Wichtigste in Kürze
- Weg 1: Ätherisches Rosmarinöl in ein Trägeröl geben. Dauert fünf Minuten, die Menge ist genau bestimmbar.
- Weg 2: Getrocknete Rosmarinblätter in Öl ausziehen. Dauert länger, die Menge an Wirkstoff bleibt unbekannt.
- Als Faustregel für die Kopfhaut: 1 Prozent, also 10 Tropfen auf 50 ml Öl.
- Nur getrocknete Blätter verwenden. Frische Pflanzen enthalten Wasser, und darin wachsen Bakterien im Öl.
- Dunkel und kühl lagern, höchstens drei Monate. Ätherisches Öl nie pur auf die Kopfhaut.
Zwei Wege, zwei Ergebnisse
„Rosmarinöl selber machen“ kann zwei ganz verschiedene Dinge bedeuten. Der Unterschied ist wichtig, weil nur der eine Weg dem nahekommt, was in Studien angewendet wurde.
Weg 1: Verdünnen
- Ätherisches Rosmarinöl plus Trägeröl
- In fünf Minuten fertig
- Die Menge ist genau bestimmbar
- Ätherisches Öl kostet extra
- Kommt der Studienform am nächsten
Weg 2: Ausziehen
- Getrocknete Blätter plus Trägeröl
- Zwei Wochen Geduld oder ein warmes Bad
- Wie viel Wirkstoff drin ist, bleibt offen
- Kostet fast nichts
- Riecht milder und angenehm
Wenn dir dünner werdendes Haar wichtig ist, nimm Weg 1. In der bekanntesten Untersuchung wurde Rosmarinöl auf die Kopfhaut aufgetragen, kein Ölauszug aus dem Glas. Wenn du einfach ein angenehmes Pflegeöl willst, ist Weg 2 schön und günstig.
In eigener Sache: Wer nicht selbst mischen will, findet bei uns ein fertig verdünntes Rosmarin Haaröl mit Pipette und Kopfhaut-Applikator. Zum Haaröl
Rezept 1: Verdünnen in drei Schritten
Du brauchst: ätherisches Rosmarinöl aus der Apotheke oder Drogerie, ein Trägeröl deiner Wahl und eine dunkle Glasflasche, am besten mit Pipette.
- Trägeröl abmessen. Füll die gewünschte Menge Trägeröl in die Flasche. Rechne dir vorher aus, wie viele Tropfen dazugehören.
- Ätherisches Öl dazugeben. Tropfen zählen, nicht schätzen. Als Faustregel für die Kopfhaut gilt 1 Prozent. Bei empfindlicher Haut fang mit der Hälfte an.
- Verschließen und schütteln. Flasche zudrehen und 20 Sekunden schütteln. Beschrifte sie mit dem Datum, dann weißt du später, wie alt die Mischung ist.
So rechnest du die Tropfen aus
20 Tropfen sind etwa 1 ml
- 15 ml Öl: 3 Tropfen sind 1 Prozent, 6 Tropfen sind 2 Prozent.
- 30 ml Öl: 6 Tropfen sind 1 Prozent, 12 Tropfen sind 2 Prozent.
- 50 ml Öl: 10 Tropfen sind 1 Prozent, 20 Tropfen sind 2 Prozent.
- 100 ml Öl: 20 Tropfen sind 1 Prozent, 40 Tropfen sind 2 Prozent.
Zum Einordnen: Fertige Arzneimittel mit Rosmarinöl gegen Muskel- und Gelenkschmerzen enthalten laut der EU-Behörde für Arzneimittel 6 bis 10 Prozent. Das ist deutlich mehr, gehört aber auf Arme und Beine und nicht auf die Kopfhaut. Die Kopfhaut ist empfindlicher, und mehr Wirkstoff bedeutet dort vor allem mehr Reizung.
Welches Trägeröl passt
Das Trägeröl macht den größten Teil der Mischung aus. Es entscheidet darüber, wie schnell alles einzieht und wie lange es haltbar ist.
- Jojobaöl. Chemisch gesehen ein flüssiges Wachs. Es ist sehr lange stabil und wird kaum ranzig. Zieht schnell ein und liegt leicht auf der Kopfhaut. Die beste Wahl, wenn du nur ein Öl kaufen willst.
- Mandelöl. Günstig, mild und überall zu bekommen. Zieht gut ein, wird aber schneller ranzig als Jojobaöl.
- Arganöl. Leicht, pflegend, angenehm im Geruch. Hochwertig und entsprechend teurer.
- Rizinusöl. Sehr dick und klebrig. Pur ist es auf der Kopfhaut unangenehm. Wenn du es magst, mische maximal ein Viertel dazu.
- Kokosöl. Wird unter etwa 24 Grad fest. Tropfen lassen sich dann nicht mehr gleichmäßig verteilen. Fraktioniertes Kokosöl bleibt flüssig und ist die praktischere Variante.
- Olivenöl. Geht, riecht aber deutlich nach Olive und bleibt lange auf dem Haar liegen.
Warum manche Öle schnell ranzig werden: Je „leichter“ ein Öl ist, desto eher reagiert es mit Sauerstoff. Das gilt für Traubenkern-, Sonnenblumen- und Leinöl. Sie riechen nach ein paar Wochen kratzig und alt. Jojoba-, Mandel- und Arganöl halten länger durch.
Rezept 2: Der Ölauszug
Hier kommt die wichtigste Regel dieses Artikels. Nimm nur getrocknete Rosmarinblätter. Eine Anleitung der Universität Maine erklärt den Grund so: Frische Pflanzen haben einen hohen Wassergehalt, und darin können Bakterien im Öl wachsen. Getrocknete Kräuter bringen kein Wasser mit, deshalb gilt der Auszug mit getrockneten Blättern als der sichere Weg.
Du brauchst: 10 g getrocknete Rosmarinblätter, 100 ml Trägeröl, ein sauberes trockenes Schraubglas, einen Topf und ein feines Tuch.
- Glas vorbereiten. Schraubglas und Deckel mit kochendem Wasser ausspülen und vollständig trocknen lassen. Es darf kein Wassertropfen zurückbleiben.
- Öl erwärmen. Das Trägeröl im Wasserbad auf etwa 80 Grad bringen. Das ist die Temperatur, die in der Anleitung der Universität empfohlen wird. Es soll nicht kochen.
- Übergießen. Die getrockneten Blätter ins Glas geben und das warme Öl darübergießen, bis alles bedeckt ist. Schwimmende Blätter schimmeln.
- Ziehen lassen. Glas verschließen und zwei Wochen an einen dunklen, kühlen Platz stellen. Alle zwei bis drei Tage einmal schwenken. Wer es schneller braucht: zwei bis drei Stunden bei etwa 70 bis 80 Grad im Wasserbad halten.
- Abseihen. Durch ein feines Tuch in eine dunkle Flasche gießen. Keine Blattstücke und keine Krümel dürfen mit, denn sie verkürzen die Haltbarkeit.
Die Sonnenmethode lässt du besser weg. Das Glas wochenlang aufs Fensterbrett zu stellen ist ein bekannter Tipp. Licht und Wärme sind aber genau die zwei Dinge, die Öl schnell ranzig machen. Dunkel und kühl ist besser.
Ein Ölauszug ist kein ätherisches Öl. Wie viel von den Rosmarinstoffen tatsächlich ins Öl übergeht, hängt von den Blättern, der Temperatur und der Zeit ab. Genau darin liegt der Nachteil: Du kennst die Menge nicht. Für ein angenehmes Pflegeöl ist das kein Problem. Für einen geplanten Effekt bei dünner werdendem Haar ist die verdünnte Variante die klarere Sache.
Fertig gemischt statt selbst gerührt
Unser Rosmarin Haaröl ist verdünnt, abgefüllt und kommt mit Pipette und Kopfhaut-Applikator. Kein Tropfenzählen, kein Abseihen, keine Frage nach der Haltbarkeit.
Zum 30-Sekunden-RitualHaltbarkeit und Aufbewahrung
Öl verdirbt anders als Wasser. Es wird nicht schlagartig schlecht, es oxidiert langsam. Ranziges Öl riecht kratzig und reizt die Kopfhaut stärker.
- Selbst gemischt (Weg 1): etwa so lange, wie das Trägeröl haltbar ist. Schau auf das Datum der Ölflasche.
- Ölauszug (Weg 2): nicht länger als drei Monate. Diese Grenze nennt die Anleitung der Universität Maine für selbst gemachte Kräuteröle.
- Lagern: dunkle Glasflasche, kühler Schrank, Deckel immer zu.
- Wegwerfen, wenn es kratzig oder alt riecht, trüb wird oder sich Flocken absetzen.
Anwendung: wie viel und wie oft
Das Öl gehört auf die Kopfhaut, denn dort sitzen die Haarwurzeln. In den Längen pflegt es, für das Wachstum bringt es dort nichts.
- Menge. Etwa 1 ml reicht für den ganzen Kopf. Das ist ungefähr eine gefüllte Pipette.
- Auftragen. Das Haar an mehreren Stellen scheiteln und das Öl direkt auf die Haut geben, vor allem am Scheitel und an den Schläfen.
- Einmassieren. Eine Minute mit den Fingerkuppen, ohne zu reiben. Nagelspitzen reizen die Haut.
- Einwirken. Eine Stunde reicht, gern auch über Nacht. Ein Handtuch auf dem Kissen schützt die Bettwäsche.
- Wie oft. Zwei- bis dreimal die Woche, bei trockener Kopfhaut auch täglich.
- Wie lange. Plane ein halbes Jahr ein. In der Studie zum Rosmarinöl war nach drei Monaten noch nichts messbar.
Die häufigsten Fehler
- Frischen Rosmarin ins Öl geben. Das Wasser in der Pflanze ist die Grundlage für Bakterien und Schimmel. Nur getrocknete Blätter.
- Ätherisches Öl pur auftragen. Es ist hoch konzentriert und kann die Kopfhaut verbrennen. Immer verdünnen.
- Tropfen aus Videos übernehmen. „Zehn Tropfen“ sagt nichts, solange die Menge Trägeröl fehlt. Entscheidend ist das Verhältnis.
- Zu hoch dosieren. Mehr Wirkstoff bringt keinen belegten Vorteil, aber mehr Juckreiz und Rötung.
- Einen Liter auf einmal ansetzen. Kleine Mengen sind immer frisch. 50 bis 100 ml reichen für Wochen.
- Nicht abseihen. Pflanzenreste im Öl sind ein Nährboden.
- Ins Haarshampoo mischen. Das Öl bleibt dann keine Minute auf der Kopfhaut und wird sofort ausgespült.
Beim Selbermachen entscheiden zwei Dinge über das Ergebnis: das richtige Verhältnis und trockene Zutaten. Alles andere ist Geschmackssache.
Wann du vorsichtig sein solltest
Die EU-Behörde für Arzneimittel hat für Rosmarinöl auf der Haut klare Hinweise gegeben. Sie beziehen sich auf Arzneimittel, sind aber ein guter Maßstab.
- Nicht auf verletzte oder gereizte Haut. Bei offenen, nässenden oder stark schuppenden Stellen lass es weg.
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Die Behörde rät davon ab, weil die Daten fehlen.
- Schwangerschaft und Stillzeit. Auch hier rät die Behörde ab. Sprich vorher mit deiner Hebamme oder deiner Arztpraxis.
- Erst an der Armbeuge probieren. Eine kleine Menge auftragen und einen Tag abwarten. Das gilt besonders bei bekannten Allergien gegen Lippenblütler wie Minze, Salbei oder Lavendel.
- Augen und Kinderhände. Ätherische Öle gehören außer Reichweite von Kindern und nicht in die Nähe der Augen.
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Zum HaarölHäufige Fragen
Wie viele Tropfen Rosmarinöl auf 100 ml Trägeröl?
20 Tropfen sind etwa 1 Prozent, 40 Tropfen etwa 2 Prozent. Für die Kopfhaut ist 1 Prozent ein guter Startwert. Bei empfindlicher Haut nimm die Hälfte.
Welches Öl ist am besten zum Mischen?
Jojobaöl, weil es sehr lange stabil bleibt, schnell einzieht und kaum ranzig wird. Mandelöl ist die günstige Alternative. Rizinusöl ist pur zu dick für die Kopfhaut, maximal ein Viertel dazumischen.
Kann ich frischen Rosmarin für den Ölauszug nehmen?
Besser nicht. Frische Pflanzen enthalten viel Wasser, und darin können Bakterien im Öl wachsen. Eine Anleitung der Universität Maine nennt den Auszug mit getrockneten Kräutern deshalb als den sicheren Weg. Getrocknete Blätter bringen kein Wasser mit.
Wie lange muss der Ölauszug ziehen?
Zwei Wochen an einem dunklen, kühlen Platz, mit gelegentlichem Schwenken. Schneller geht es im Wasserbad: zwei bis drei Stunden bei etwa 70 bis 80 Grad. Das Öl soll dabei nicht kochen.
Wie lange hält selbst gemachtes Rosmarinöl?
Eine verdünnte Mischung hält etwa so lange wie das verwendete Trägeröl, schau dazu auf das Datum der Flasche. Für einen Ölauszug mit Kräutern nennt die Universität Maine drei Monate als Grenze. Immer dunkel und kühl lagern.
Muss ich das Öl auswaschen?
Ja, spätestens bei der nächsten Haarwäsche. Lass es mindestens eine Stunde einwirken, gern über Nacht, und wasch es dann mit einem milden Shampoo aus.
Kann ich ätherisches Rosmarinöl pur auf die Kopfhaut geben?
Nein. Ätherisches Öl ist hoch konzentriert und kann die Haut verbrennen. Es gehört immer verdünnt in ein Trägeröl.
Ist selbst gemachtes Rosmarinöl so gut wie gekauftes?
Beim Verdünnen kommst du der Form, die untersucht wurde, ziemlich nahe, wenn du das Verhältnis einhältst. Bei einem Ölauszug bleibt offen, wie viel von den Rosmarinstoffen im Öl gelandet ist. Fertige Produkte haben dagegen eine festgelegte Menge und eine geprüfte Haltbarkeit.
Wie oft soll ich das Öl anwenden?
Zwei- bis dreimal die Woche reicht, bei trockener Kopfhaut auch täglich. Plane ein halbes Jahr ein: In der Studie zum Rosmarinöl war nach drei Monaten noch nichts messbar.
Kann ich mehrere ätherische Öle mischen?
Ja, aber rechne die Tropfen zusammen. Wenn du Rosmarin und Pfefferminz kombinierst, bleibt die Summe bei 10 Tropfen auf 50 ml, also zum Beispiel 6 plus 4. Pfefferminzöl kühlt stark, fang damit sparsam an.
Quellen
- Europäische Arzneimittel-Agentur, Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel: European Union herbal monograph on Rosmarinus officinalis L., aetheroleum (Revision 1). Anwendung auf der Haut: 6 bis 10 Prozent in Cremes und Salben, nicht unter 18 Jahren, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht auf verletzte oder gereizte Haut. Abgerufen am 24.09.2026
- University of Maine Cooperative Extension, Bulletin 4385: Safe Homemade Flavored and Infused Oils. Getrocknete Kräuter enthalten kein Wasser, deshalb können darin keine Bakterien wachsen; Öl auf etwa 82 Grad erwärmen; dunkel und kühl lagern, nicht länger als drei Monate. Abgerufen am 24.09.2026
- Oregon State University Extension Service, SP 50-701: Herbs and vegetables in oil. Abgerufen am 24.09.2026
- Panahi Y., Taghizadeh M., Marzony E.T., Sahebkar A. (2015): Rosemary oil vs minoxidil 2% for the treatment of androgenetic alopecia: a randomized comparative trial. SKINmed 13(1):15–21. PubMed-Nr. 25842469
- Murata K. et al. (2013): Promotion of hair growth by Rosmarinus officinalis leaf extract. Phytotherapy Research 27(2):212–217. PubMed-Nr. 22517595
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Growly ist ein Kosmetikprodukt zur Pflege von Kopfhaut und Haar. Bei anhaltendem oder plötzlichem Haarverlust wende dich bitte an eine Hautärztin oder einen Hautarzt.
