Ratgeber · Haare & Kopfhaut

Haarausfall nach der Geburt: Warum er kommt und wann er aufhört

Wenn die Haare wenige Monate nach der Geburt büschelweise ausgehen, erschreckt das erst einmal. Meistens ist es eine normale Folge der Hormonumstellung und hört von selbst wieder auf. Hier erfährst du, wann es losgeht, wie lange es dauert und wann du es abklären lassen solltest.

von Growly RatgeberStand: 23.09.2026ca. 10 Min. Lesezeit

Junge Mutter sitzt auf dem Bett und schaut auf ihre Haarbürste, neben ihr liegt ihr Baby
Wenige Monate nach der Geburt bleiben oft mehr Haare in der Bürste als früher.Symbolbild, mit KI erstellt

In der Schwangerschaft wirkt das Haar bei vielen Frauen dichter und kräftiger als sonst. Einige Monate nach der Geburt kippt das oft ins Gegenteil: Beim Kämmen und beim Waschen bleiben plötzlich viel mehr Haare zurück. Dahinter steckt fast immer der gleiche Ablauf, und der ist gut erklärbar. Wichtig ist vor allem eines: den normalen Verlauf von den Anzeichen zu unterscheiden, die in eine Arztpraxis gehören.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Haarausfall beginnt meistens rund drei Monate nach der Geburt. Nach sechs bis zwölf Monaten ist das Haar in der Regel wieder so dicht wie vorher.
  • Ursache ist die Hormonumstellung. In der Schwangerschaft bleiben mehr Haare länger in der Wachstumsphase, nach der Geburt gehen viele gleichzeitig in die Ruhephase.
  • Stillen ist nicht der Auslöser. In einer Untersuchung mit 116 Frauen waren vier Monate nach der Geburt bei stillenden Frauen sogar mehr Haare in der Wachstumsphase als bei nicht stillenden.
  • Lass Eisen und Schilddrüse prüfen, wenn du dich sehr müde fühlst oder der Haarausfall nach einem Jahr nicht aufhört.

Warum fallen nach der Geburt so viele Haare aus?

Jedes Haar wächst in einem Zyklus. Auf eine Wachstumsphase von mehreren Jahren folgt eine kurze Ruhephase von etwa drei Monaten. Danach fällt das Haar aus und ein neues wächst an derselben Stelle nach. Normalerweise sind immer nur wenige Haare gleichzeitig in der Ruhephase.

In der Schwangerschaft ist der Östrogenspiegel hoch. Dadurch bleiben mehr Haare länger in der Wachstumsphase, und es fällt weniger aus als sonst. Genau deshalb wirkt das Haar in dieser Zeit voller. Nach der Geburt sinken die Hormone schnell wieder ab. Viele Haare gehen dann fast gleichzeitig in die Ruhephase. Rund drei Monate später fallen sie zusammen aus, und das fällt natürlich auf.

Fachleute nennen das telogenes Effluvium. „Telogen“ ist der Name der Ruhephase. Die Haarwurzeln gehen dabei nicht kaputt. Die Reihenfolge im Zyklus ist nur verschoben.

Was gemessen wurde (2014)

  • Wer: 116 Frauen in vier Gruppen: in der 24. Schwangerschaftswoche, am Ende der Schwangerschaft, vier Monate nach der Geburt und im ersten Jahr nach der Geburt. Gemessen wurde mit einer Kopfhaut-Kamera, wie viele Haare wachsen und wie viele ruhen.
  • Ergebnis: Vier Monate nach der Geburt waren deutlich weniger Haare in der Wachstumsphase als im sechsten und neunten Schwangerschaftsmonat. Der Anteil der ruhenden Haare war entsprechend höher.
  • Aber: Die Autoren schreiben, dass diese Verschiebung bei den meisten Frauen nicht besonders stark ausfällt.

Wie häufig starker Haarausfall nach der Geburt wirklich ist, wurde bisher kaum untersucht. Eine Übersichtsarbeit von 2016 hat alle verfügbaren Daten geprüft und kam zu dem Ergebnis, dass belastbare Zahlen dazu fehlen.

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Wann beginnt es und wie lange dauert es?

Der Ablauf ist bei den meisten Frauen ähnlich. Die Klinik Johns Hopkins nennt als typischen Start etwa drei Monate nach der Geburt und sechs bis zwölf Monate, bis das Haar wieder seine normale Dichte hat. Der US-Berufsverband der Hautärzte nennt sechs bis neun Monate.

  • Erste 8 Wochen: Meistens ändert sich nichts. Manche freuen sich noch über das volle Haar aus der Schwangerschaft.
  • Monat 2 bis 4: Der Haarausfall setzt ein, oft ziemlich plötzlich. Beim Waschen und Kämmen bleiben deutlich mehr Haare zurück.
  • Monat 4 bis 6: Der Höhepunkt liegt meistens um den vierten Monat. Am Haaransatz und an den Schläfen tauchen oft kurze, feine Haare auf. Das sind die neuen.
  • Monat 6 bis 12: Es wird weniger, und das Haar füllt sich wieder auf. Die neuen Haare brauchen ihre Zeit, denn Haare wachsen nur etwa einen Zentimeter im Monat.

Der Haarausfall nach der Geburt ist kein Zeichen dafür, dass etwas kaputt ist. Er ist das Ende einer Pause, die in der Schwangerschaft begonnen hat.

Ist Stillen daran schuld?

Das ist die häufigste Sorge, und sie ist unbegründet. In der Untersuchung von 2014 wurden stillende und nicht stillende Frauen getrennt ausgewertet. Vier Monate nach der Geburt hatten die stillenden Frauen mehr Haare in der Wachstumsphase und weniger in der Ruhephase als die nicht stillenden. Im ersten Jahr nach der Geburt gab es zwischen beiden Gruppen keinen Unterschied mehr.

Manchmal liest man das Gegenteil, nämlich dass Stillen die Phase verlängert. Gemessen wurde das so nicht. Der Auslöser ist der Hormonabfall nach der Geburt, und der passiert bei allen Frauen. Abstillen beschleunigt den Haarwuchs also nicht.

Wie viele Haare am Tag sind normal?

Normal sind 50 bis 100 Haare am Tag. In den Monaten nach der Geburt können es deutlich mehr sein. Viele beschreiben es als büschelweise, weil beim Waschen oder Kämmen ganze Strähnen in der Hand bleiben.

Haarbürste mit einigen ausgefallenen Haaren auf einer hellen Bettdecke
Gleichmäßig mehr Haare in der Bürste passen zum normalen Verlauf. Kahle Stellen tun das nicht.Symbolbild, mit KI erstellt

Wichtiger als die Zahl ist das Muster. Beim Haarausfall nach der Geburt wird das Haar gleichmäßig über den ganzen Kopf weniger, besonders oft am Haaransatz und an den Schläfen. Es entstehen keine kahlen Stellen, und die Kopfhaut bleibt ruhig. Wenn das bei dir so ist, passt es zum normalen Verlauf.

Kleiner Tipp für den Kopf: Mach am Anfang ein Foto von deinem Scheitel und deinem Haaransatz, bei Tageslicht und immer von der gleichen Stelle. In drei Monaten siehst du damit viel klarer, ob wieder etwas nachwächst. Ohne Vergleichsbild verlässt man sich später auf das Gefühl, und das täuscht in dieser Zeit oft.

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Was hilft jetzt wirklich?

Den Zyklus selbst kann man nicht beschleunigen. Diese Punkte machen aber einen Unterschied, weil sie zusätzlichen Haarverlust vermeiden und deinen Körper unterstützen.

  1. Blutwerte prüfen lassen. Bei der Geburt geht Blut verloren, deshalb ist Blutarmut danach häufig. Eine Woche nach der Geburt betrifft sie etwa 14 von 100 Frauen, die Eisen einnehmen, und 24 von 100 ohne Eisen. Ob ein Eisenmangel den Haarausfall verstärkt, ist nicht abschließend geklärt. Fühlst du dich müde und schlapp, lohnt sich eine Blutuntersuchung trotzdem. Nimm Eisen aber nicht auf Verdacht, denn zu viel davon schadet.
  2. Sanft mit dem Haar umgehen. Nasses Haar reißt leichter. Kämm es mit einer weichen Bürste und ohne Zug, und binde es locker. Ein strenger Zopf oder Dutt jeden Tag zieht dauerhaft am Haaransatz und kann dort zusätzlich Haare kosten.
  3. Regelmäßig essen, auch wenn der Tag verrückt ist. Haare wachsen aus Eiweiß. Gerade in den ersten Monaten mit Baby fallen Mahlzeiten oft aus. Ein paar einfache Dinge, die immer bereitstehen, helfen mehr als jedes Pulver: Quark, Eier, Haferflocken, Nüsse, Linsen.
  4. Die Kopfhaut pflegen. Eine kurze Massage mit den Fingerspitzen fördert die Durchblutung und tut gut. Ein mildes Shampoo reicht völlig, und du darfst dein Haar in dieser Zeit ruhig öfter waschen. Die Haare, die dabei ausgehen, wären sowieso ausgefallen.
  5. Frisur anpassen, wenn du willst. Ein etwas kürzerer Schnitt wirkt oft voller, und die feinen neuen Haare fallen weniger auf. Färben und Hitze sind nicht verboten, aber weniger davon schont das dünnere Haar.

Vorsicht bei Mitteln aus der Apotheke: Minoxidil, also zum Beispiel Regaine, ist laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit nicht anzuwenden. Auch bei Nahrungsergänzung und ätherischen Ölen gilt in dieser Zeit: vorher mit Hebamme, Arztpraxis oder Apotheke sprechen.

Wann solltest du es abklären lassen?

Der normale Verlauf braucht keine Behandlung. In diesen Fällen solltest du aber einen Termin machen:

  • Der Haarausfall hört ein Jahr nach der Geburt nicht auf oder wird stärker.
  • Es entstehen runde, klar begrenzte kahle Stellen. Dahinter kann kreisrunder Haarausfall stecken.
  • Du bist ständig müde, frierst leicht, dein Gewicht verändert sich oder dein Kopf fühlt sich vernebelt an. In diesen Fällen lohnt sich ein Blick auf die Schilddrüse. Eine Schilddrüsenentzündung nach der Geburt betrifft etwa 5 von 100 Frauen im ersten Jahr, und Müdigkeit und trockene Haut gehören zu den häufigsten Anzeichen.
  • Deine Kopfhaut juckt stark, brennt, schuppt oder ist gerötet.
  • Der Haaransatz weicht an den Schläfen zurück und das Haar bleibt dort dünn. Das kann auf erblich bedingten Haarverlust hindeuten, der durch die Geburt nur sichtbarer geworden ist.

Und noch etwas: Wenn dich der Haarausfall stark belastet, sprich es bei der Nachsorge oder beim Frauenarzt an. Das ist kein Luxusthema. Es gehört zu den Dingen, die in dieser Zeit ganz schön auf die Stimmung drücken können.

Rosmarinöl in der Stillzeit: Geht das?

Rosmarinöl ist das bekannteste Hausmittel bei dünner werdendem Haar. Zu ätherischen Ölen in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es allerdings wenig Daten, deshalb wird zur Vorsicht geraten. Kläre die Anwendung vorher mit deiner Hebamme, deiner Arztpraxis oder in der Apotheke.

Und wenn du nicht oder nicht mehr stillst? Dann kannst du Rosmarinöl in Ruhe ausprobieren. Sinnvoll ist das vor allem, wenn dein Haar auch nach dem ersten Jahr dünner bleibt. Für die Zeit direkt nach der Geburt braucht es kein Öl, denn der Zyklus regelt das selbst.

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Häufige Fragen

Wie lange dauert der Haarausfall nach der Geburt?

Meistens sechs bis zwölf Monate. Der Beginn liegt typischerweise rund drei Monate nach der Geburt, der Höhepunkt um den vierten Monat. Der US-Berufsverband der Hautärzte nennt sechs bis neun Monate, bis das Haar wieder seine normale Fülle hat.

Wann fängt der Haarausfall nach der Geburt an?

Bei den meisten Frauen zwei bis vier Monate nach der Geburt, oft ziemlich plötzlich. Der Grund: Nach der Geburt gehen viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase, und diese Phase dauert etwa drei Monate.

Ist Haarausfall in der Stillzeit normal?

Ja, und Stillen ist nicht der Auslöser. In einer Untersuchung mit 116 Frauen hatten stillende Frauen vier Monate nach der Geburt sogar mehr Haare in der Wachstumsphase als nicht stillende. Abstillen bringt dem Haar also nichts.

Wie viele Haare am Tag sind nach der Geburt normal?

Normal sind 50 bis 100 Haare am Tag. In den Monaten nach der Geburt können es deutlich mehr sein. Entscheidend ist, dass das Haar gleichmäßig weniger wird und keine kahlen Stellen entstehen.

Was hilft gegen Haarausfall nach der Schwangerschaft?

Zeit ist der wichtigste Punkt, denn der Haarzyklus regelt sich von selbst. Du kannst zusätzlichen Verlust vermeiden: sanft kämmen, locker binden, regelmäßig essen und die Kopfhaut pflegen. Fühlst du dich müde, lass deine Blutwerte prüfen.

Soll ich Eisen oder Vitamine einnehmen?

Nur nach einer Blutuntersuchung. Eisen auf Verdacht einzunehmen kann schaden. Sinnvoll ist es, bei Müdigkeit Eisen, Ferritin und die Schilddrüsenwerte prüfen zu lassen.

Wachsen die Haare nach der Geburt wieder nach?

In der Regel ja. Die Haarwurzeln bleiben erhalten, die Haare sind nur gleichzeitig in die Ruhephase gerutscht. Nach sechs bis zwölf Monaten ist das Haar meistens wieder so dicht wie vorher.

Kann ich Rosmarinöl in der Stillzeit anwenden?

Das solltest du vorher mit deiner Hebamme, deiner Arztpraxis oder in der Apotheke klären. Zu ätherischen Ölen in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es zu wenige Daten, deshalb wird zur Vorsicht geraten.

Mein Baby verliert Haare. Ist das normal?

Ja. Viele Babys verlieren in den ersten Monaten ihre feinen Neugeborenen-Haare, bevor die festeren nachwachsen. Eine kahle Stelle am Hinterkopf kommt oft vom Liegen und gleicht sich meistens von selbst aus. Wenn du unsicher bist, frag in der Kinderarztpraxis.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Geh zum Arzt, wenn der Haarausfall ein Jahr nach der Geburt nicht aufhört oder wenn runde kahle Stellen entstehen. Das gilt auch, wenn die Kopfhaut brennt oder juckt oder wenn du sehr müde bist und leicht frierst. Dann sind die Eisenwerte und die Schilddrüse die wichtigsten Punkte.

Quellen

  1. Gizlenti S., Ekmekci T.R. (2014): The changes in the hair cycle during gestation and the post-partum period. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 28(7):878–881. PubMed-Nr. 23682615
  2. Mirallas O., Grimalt R. (2016): The Postpartum Telogen Effluvium Fallacy. Skin Appendage Disorders 1(4):198–201. PubMed-Nr. 27386466
  3. Stagnaro-Green A. (2012): Approach to the patient with postpartum thyroiditis. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 97(2):334–342. PubMed-Nr. 22312089
  4. Milman N. (2011): Postpartum anemia I: definition, prevalence, causes, and consequences. Annals of Hematology 90(11):1247–1253
  5. American Academy of Dermatology: Hair shedding, abgerufen am 23.09.2026
  6. Johns Hopkins Medicine: Postpartum Hair Loss, abgerufen am 23.09.2026

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Growly ist ein Kosmetikprodukt zur Pflege von Kopfhaut und Haar und in Schwangerschaft und Stillzeit vorher ärztlich abzuklären. Bei anhaltendem oder plötzlichem Haarverlust wende dich bitte an eine Hautärztin oder einen Hautarzt.